Kamelien in Deutschland

 

Eine Geschichte der Kamelien in Deutschland ist zunächst einmal eine Geschichte der Kamelien in Sachsen. Bereits im 17. Jahrhundert hatte der in Thüringen geborene George Meister Ostasien bereist und Pflanzen und Samen in großer Fülle gesammelt. Ab 1689 war Meister Hofgärtner in kurfürstlichen Diensten und für den späteren Großen Garten, den Garten des Zwingers und den Türkischen Garten in Dresden zuständig. 1692 verfasste er seinen Reisebericht "Oriental-Indianischer Kunst- und Lust-Gärtner“.

Genau 100 Jahre nach der Veröffentlichung seiner Reiselektüre, in denen wir auch eine frühe Kamelienbeschreibung finden, erwähnt der kurfürstliche Hofgärtner Johann Heinrich Seidel 1792 in seinem Katalog eine blühende Kamelie im "Herzogin Garten" unweit des Zwingers. Es hatte zwar nicht das Kamelienzeitalter in Deutschland begonnen, aber dieses Jahr markierte den Beginn einer bedeutenden sächsischen Gärtnerdynastie. Johann Heinrich Seidel (1744-1815) erlernte die "Gärtner-Kunst" in Dresden und bildete sich ab 1764 unter anderem in Wien, Holland, England und Paris weiter. Als er 1771 nach Sachsen zurückkehrte, wurde er noch im selben Jahr Gehilfe im kurfürstlichen Orangen-Garten in Dresden, 1778 kurfürstlicher Hofgärtner und später königlicher Hofgärtner. Trotz seiner Stellung als Hofgärtner verfügte er auch über eigene Gewächshäuser. Sein 1782 erschienener Gartenkatalog galt schon damals als vorbildlich. Johann Heinrich Seidel starb am 30. November 1815 in Dresden. Seine Söhne Jacob Friedrich und Traugott Leberecht Seidel gründeten am 24. Juni 1813 in Dresdens Kleiner Plauenschen Gasse auf Pachtland den Gartenbaubetrieb "Gebrüder Traugott Jacob Seidel". Mit ziemlicher Sicherheit war es Jacob Friedrich Seidel, der früh Kamelien nach Deutschland brachte. Allerdings existierte seinerzeit bereits die Pillnitzer Kamelie. Eine abenteuerliche Geschichte, deren Wahrheitsgehalt jedoch bezweifelt werden muss, wird von R. J. Mäschke wiedergegeben: "Die Kamelien, die Jacob Seidel nach Dresden brachte, stammten aus dem Jardin des Plantes in Paris, wo dieser von 1810 bis 1812 als Inspektor tätig war. Er hatte ihren Wert als Winterblüher sofort erkannt und einige Pflanzen erworben. Die Sachsen kämpften wieder einmal auf der falschen Seite, und so nahm er sie 1812 auf dem Marsch der Napoleonischen Armee gegen Russland im Tornister mit. Er war aber klug genug, bei Erfurt zu desertieren. Er entfernte sich von der Kompanie und kehrte in seine Heimatstadt Dresden zurück, wo er bald eine Kamelien-Sonderkultur anfing." Auch Gottlob Friedrich Seidel, ein weiterer Bruder, handelte mit diesen Raritäten. Bereits im Jahre 1816 annoncierte er dreizehn Kameliensorten englischer Herkunft.

 

Vorgarten in Gotha Siebleben