Kamelien: Samen und Sämlinge

Klaus Peper

 

Kamelien Früchte reifen im Herbst. Sie erinnern an kleine Kastanien mit ihrer lederartigen, aber glatten Hülle. Ihre Größe reicht von 1 bis 5 cm im Durchmesser, aber einige Arten (C. crapnelliana) können bis zu 20 cm erreichen. Die Farbe der Früchte ist grün bis olive, doch bei den Japonicas werden sie in der Sonne herrlich rot wie kleine Äpfel. (see).

Eine Frucht trägt jeweils 3-12 Samen. Wenn die Fruchtschale aufplatzt, haben die Samen ihre braune, harte Schale. Jeder Samen hat ein 'Auge' dort, wo er vordem an der Mittelsäule der Frucht angeheftet war. Bei der Keimung tritt die Wurzel in der Nähe dieses Auges aus der Schale.

Bei den Kamelien bleiben die Keimblätter in der Samenschale. Nach ihrer Rolle als Nährstoffdepot trocknen die Keimblätter ein und die Samenschale trennt sich von der Pflanze. Die Wurzel entwickelt sich zuerst und treibt einige cm in den Boden. Der Trieb entwickelt sich etwas später, wächst zunächst in die Samenschale. Später wird er sich in einem Bogen herausdrängen und nach oben wachsen. Der Samen selbst bleibt unter der Erdoberfläche. Der Trieb wächst zunächst kräftig und zeigt einige kleine Vorblätter. Ist der Sämling im Topf, so wird es jetzt Zeit, ihn herauszunehmen und die Wurzelspitze zu kappen,. Kamelien sind nämlich Pfahlwurzler (es sei denn, daß sie als Stecklinge gezogen wurden, dann bleiben sie Oberflächenwurzler), die Wurzel wird am Boden anstoßen und sich ringeln.

Die Wurzel hat 3-5 mm Durchmesser und ist sehr stabil. Wenn sie gekappt wird, dann muss der Sämlingmit Previkur (1,5 ml/1 Liter Wasser) desinfiziert werden und die Schnittstelle mit Holzkohlepulver eingestäubt werden. Der Sämling wird dann neu in ein steriles Medium gesetzt, z.B. in Seramis. Diese Maßnahmen sind notwendig, um eine Infektion mit Bodenpilzen zu verhindern, die den Sämling zwar nicht umfallen lassen, aber die Entwicklung nachhaltig stören können. Eine Infektion zeigt sich als Braunwerden des Hypocotyls, dem Teil direkt unter dem Ansatz der Keimblattstiele.

Der Sämling wird jetzt so gesetzt, daß die Samenschale direkt auf der Substratoberfläche aufliegt. Dieb Weiterkultur erfolgt nach den Bedingungen der vegetativen Kultur. Die Hauptwurzel entwickelt genügend Seitenwurzeln. Wichtig ist, daß der Sämling im Substrat gleichmäßig feucht steht und die Wurzeln jederzeit genügend Luft bekommen. Dies spricht wieder für die Verwendung von Seramis.

Kameliensamen sollte nicht austrocknen, er verliert ziemlich schnell an Keimkraft. Am besten sollte der Samen sofort nach der Ernte in einen Plastiksack verpackt, ein feuchtes Papiertaschentuch zugegeben und im Kühlschrank aufbewart werden. Dies haben mir die freundlichen Leute bei Camforest (Cliff Parks, USA) geraten. Ich bekam im Herbst 1995 von ihnen ein kg Samen, den ich im September noch im Garten aussetzte. Eine Population ging sofort auf, überwinterte im Schnee und wuchs im Frühjahr weiter. Eine andere Population überdauerte den Winter als Samen in der Erde und lief im Frühjahr willig auf. Es keimten schätzungsweise 90%.

Die Keimung der Samen ging zum Teil schon nach 14 Tagen los, wenn sie in die Wärme kamen. Werden dagegen frische Samen gesetzt, so können bis zu 6 Monate vergehen.

Hypothese

Samen befinden sich in Ruheperiode. Um diese zu durchbrechen, ist ein Hormon wichtig, Sie werden es schon ahnen: Gibberellinsäure. Es wird gefördert im Wechsel von Kühl nach Warm. Also stecken Sie frische Samen erst in feuchten Torf in eine Plastiktüte in den Kühlschrank! Nach 2-4 Wochen wird der Beutel warm aufgehängt (Heizkörper). Keimende Samen sind sichtbar und können in sterile Töpfe pikiert werden.

Oft wird geraten, eine Schwimmprobe mit den Samen durchzuführen. Trocknen Samen aus, so schrumpft der Embryo, es gibt einen Luftspalt, die Samen schwimmen. Dies ist aber unnötig, da man alle Samen gleich in den Beutel stecken kann, die nicht keimfähigen bleiben dann übrig.